„LID FUNM OJSGEHARGETN JIDISCHEN FOLK“

"GROSSER GESANG VOM AUSGEROTTETEN JÜDISCHEN VOLK"

Jizchak Katzenelsons Original und die Nachdichtung von Wolf Biermann
Do 23.01. 19:30

Karten: 8,– / 5,– Euro

Es lesen Norbert Gutenberg und Ruth Boguslawski


Jizchak Katzenelson wurde 1886 im heutigen Weißrußland geboren. Er war aktiv am Aufstand im Warschauer Ghetto beteiligt, der am 19. April 1943 begann. Um sein Leben zu retten, schleuste ihn das Kommando der jüdischen Kampforganisation in den „arischen“ Teil von Warschau, wo er, wie viele andere, vergeblich hoffte, über das Hotel Polski in die Freiheit zu gelangen.

Stattdessen kam er in ein Sonder-KZ nach Vittel am Rande der Vogesen. Doert schrieb er auch sein „Lid funm ojsgehargetn jidischen folk“ (Fertigstellung des Manuskripts am 17. Januar 1944). Das Manuskript vergrub er, in Flaschen verpackt, unter einem Baum. Ende April 1944 wurde Katzenelson mit seinem siebzehnjährigen Sohn Zwi im „Konvoi 72“ nach Auschwit deportiert.

Wolf Biermann, früher „Liedermacher“, aber vielleicht doch eher ein Dichter, ist interessant in mehrfacher Hinsicht: Seine Biographie ist ein Spiegel der deutschen Geschichte seit Anfang der 40er Jahre: Krieg, Teilung, sozialistische Hoffnungen in der DDR, Ausbürgerung, Wiedervereinigung. Ein solcher Spiegel sind auch seine Texte; zwar wird er als wichtiger Autor der Gegenwartsliteratur von der Hochschulgermanistik kaum wahrgenommen, aber er ist immerhin Büchnerpreisträger und Mörikepreisträger.

Zu Beginn der 90er Jahre überträgt er Katzenelsons „Lid funm ojsgehargetn jidischen folk“ ins Deutsche, besser: er dichtet es nach als „Großer Gesang vom ausgerotteten jüdischen Volk“. Zum Internationalen Gedenktag an die Opfer des Holocaust am 27. Januar 2020 hören wir Ausschnitte auf deutsch und jiddisch.

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